Puzzleaufgabe für die Werkstatt

Nachdem der für den Kriegsstraßenbahnwagen 749 designierte Stromabnehmer komplett zerlegt und alle Einzelteile Aufgearbeitet wurden, steht nun der Wiederzusammenbau an. Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, da der Stromabnehmer aus unzähligen Kleinteilen besteht. Vor und bei der Demontage wurden deshalb zahlreiche Fotos gemacht, damit es nun möglich ist, alle Teile wieder am richtigen Platz zu montieren.

Der aktuelle Arbeitsstand beim Pantographen des KSW. (Bild: Rüdiger Grabowski)

Ein Pantograf für den KSW

Damit unser KSW fahren kann benötigt er einen Stromabnehmer. Da der Wagen ohne einen solchen aus Heidelberg übernommen wurde, wurde ein passender Pantograf aus dem Lagerbestand des SHB ausgewählt welcher aktuell aufgearbeitet wird. Da die Einzelteile zu groß für die museums-eigene Sandstrahlkabine waren, ließen wir diese Arbeit von einer Firma extern erledigen. Nun werden sie in der Museumswerkstatt neu lackiert.

Weitere Einzelteile des Stromabnehmers. (Bild: Alexander Blank)

Lackierung der KSW-Motoren

Die Motoren des KSW 749 haben ihre endgültige Lackierung in tiefschwarz erhalten. Nun können sie wieder in das Fahrgestell eingebaut werden.

Auch die Montagesockel für die beiden Heizkörper haben einen frischen Anstrich in Grau erhalten.

(Bild: Alexander Blank)

Vorbereitung zur Sitzmontage

Aktuell laufen die Arbeiten zur Montage der Sitze des KSW 749. Die Einzelsitze an den Plattformen werden rückseitig an Holzplatten montiert. Diese mussten teilweise neu angefertigt werden.

Die bereits lackierten Rückplatten. (Bild: Rüdiger Grabowski)

Die Einzelsitzbänke in der Mitte des Wagens werden am Wagenboden und an der Seitenwand befestigt. Hierfür entstehen gerade Teile auf der Fräsmaschine in der Museumswerkstatt. Seit kurzem haben wir eine Fräsmaschine vom Typ Deckel FP3 in der Museumswerkstatt. Nun können wir sie gleich einmal zum Einsatz bringen.

Fräsen der Sitzhalterungen auf der Fräsmaschine. (Bild: Alexander Blank)

Grundierung der Motoren des KSW 749

Nachdem die Motoren des KSW 749 bei der SSB überholt wurden, müssen sie noch tiefschwarz lackiert werden. Dafür werden sie zuerst grundiert.

Der vordere Motor ist bereits grundiert, der hintere muss noch grundiert werden. (Bild: Alexander Blank)

Auch im Innenraum sind die Arbeiten weiter vorangeschritten. Die Fußbodenleisten wurden weiter verlegt, nun auch in den Bereichen zwischen den Sitzen. So langsam wird klar, wie der Innenraum des Wagens einmal wirken wird.

Stellprobe mit den Sitzen. Deren Befestigung wird eine der nächsten Aufgaben sein. (Bild: Rüdiger Grabowski)

Der Lattenfußboden des KSW nimmt Gestalt an

In der Zeit, bevor Kunststoffbeläge als Fußboden in Straßenbahnen zum Einsatz kamen, wurden vor allem Lattenfußböden verwendet. Dabei wurden einzelne Holzlatten in gleichmäßigem Abstand auf dem Fußboden festgenagelt bzw. festgeschraubt. Auch in den Kriegsstraßenbahnwagen kam diese Art von Boden zum Einsatz.

Als wir unsern KSW aus Heidelberg übernahmen, war dieser teilweise mit Doppelsitzbänken ausgestattet. Nach der Restaurierung erhält er jedoch, entsprechend des Auslieferungszustands, eine reine Bestuhlung mit Einzelsitzen. Dazu müssen wir auch die Lattung des Fußbodens an den Stellen ergänzen, wo sich in Zukunft keine Doppelsitzbänke mehr befinden. Da eine teilweise Ergänzung des alten Bodens mit neuen Latten mit hoher Wahrscheinlichkeit seltsam und “gebastelt” wirken würde, entschlossen wir uns dazu, alle Leisten zu erneuern.

Nun haben wir mit dem Einbau begonnen. Wichtig ist, dass die Latten immer in gleichmäßigem Abstand zueinander befestigt werden. In unserem Fall werden die Leisten festgenagelt, so wie auch die Leisten, welche wir im Vorfeld der Arbeiten entfernt hatten.

Am Ende des Arbeitstages fand eine Stellprobe mit zwei Sitzen statt. (Bild: Rüdiger Grabowski)
Im Vordergrund sind die Bodenluken zu erkennen. Dort muss die Lattung kurz unterbrochen werden, damit man diese öffnen kann. Auch für die Griffe muss die Lattung ausgespart werden. (Bild: Rüdiger Grabowski)

Die Lattung zwischen den Sitzen und die noch nicht vollständig fertiggestellten Latten im Gang werden wir in einem weiteren Arbeitseinsatz montieren.

Umarbeitung von Kabelschellen

Das weiterverwenden von alten Dingen ist nicht nur gut für den Umweltschutz und die Schonung der natürlichen Ressourcen, sondern spart uns im Falle der Kabelschellen des KSW 749 auch eine Menge Arbeit. Anstatt komplett neue Schellen anzufertigen haben wir beschlossen das es einfacher und effektiver ist die alten Kabelschellen umzuarbeiten. Hauptsächlich geht es um das aufbohren der bislang einzelnen Löcher (jedes für ein Kabel) in den Schellen zu einen großen Langloch. Diese Arbeit können wir auf einer speziellen Langlochbohrmaschiene mit speziellen Bohrern durchführen. Am Ende mussten nur äußerst wenige Kabelschellen komplett neu angefertigt werden, da sie so beschädigt waren, dass sich eine Aufarbeitung nicht mehr lohnte. Mit den Kabelschellen werden die Leitungen in den Kabelkanälen im Fahrzeug fixiert.

Eine Auswahl der verschiedenen Formen von Kabelschellen, nachdem sie auf der Langlochbohrmaschiene umgearbeitet wurden. (Bild: Rüdiger Grabowski)

Getriebekästen für den Kriegsstraßenbahnwagen

Für das Projekt Kriegsstraßenbahnwagen 749 konnten wir die Aufarbeitung der sogenannten Getriebekästen, also die Schutzeinhausungen der Zahnräder zwischen Motor und Achse fertigstellen. Nachdem die Getriebekästen neu lackiert waren, wurden die Filzdichtungen erneuert. Die Getriebekästen sind nun bereit mit den Motoren gemeinsam am Fahrgestell montiert zu werden, sobald die Aufarbeitung dieser abgeschlossen ist.

Die Getriebekästen warten nun auf die Montage. (Bild: Alexander Blank)

Frische Farbe für den Fußboden

Bevor die neu angefertigten Fußbodenleisten für den Kriegsstraßenbahnwagen 749 eingebaut werden können, wurden die alten Leisten nun komplett entfernt. Nun konnten noch vorhandenen Löcher der Kabeldurchführung mit Holz verfüllt werden. Anschließend wurden die Unregelmäßigkeiten mit Spachtelmasse verfüllt und der gesamte Boden abgeschliffen. Zum Schluss erhielt der Fußboden eine Neulackierung in “eisengrau”. Der Wiedereinbau der neuen Fußbodenleisten kann demnächst erfolgen.

So sah der Boden vor Beginn der Arbeiten aus. (Bild: Rüdiger Grabowski)
Ohne Leisten, gespachtelt, abgeschliffen, so wartet der Boden auf die Farbe. (Bild: Dominik Broens)
Der aktuelle Stand: fertig lackiert. (Bild: Dominik Broens)

Seit 25 Jahren ein Stuttgarter

Heute vor 25 Jahren hieß es für den Kriegsstraßenbahnwagen 64 Abschied von seiner ersten Wirkungsstätte bei der Heidelberger Straßen- und Bergbahn zu nehmen. Sein Ziel: Das Straßenbahnmuseum in Stuttgart-Zuffenhausen. Aber wie kam es überhaupt dazu?
Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs war ein großer Teil des Wagenparks der SSB irreparabel beschädigt und verloren. Um eine schnelle Lösung für den Wagenmangel zu schaffen baute die Heidelberger Waggonfabrik Fuchs sogenannte Kriegsstraßenbahnwagen für mehrere Verkehrsbetriebe darunter auch Heidelberg und Stuttgart. Die Konstruktion orientierte sich an Plänen für einen einheitlichen Straßenbahnwagen für ganz Deutschland, der aber durch die Kriegsjahre nie in Großserie gebaut wurde. Die SSB besaß ursprünglich 23 Triebwagen dieses Typs, welcher ab 1946 Einzug in den Wagenpark erhielt. Die Wagen waren, durch die nachkriegsbedingte Materialknappheit, sehr spartanisch eingerichtet, sodass sie bereits nach wenigen Einsatzjahren aus der Zeit gefallen und überholt waren. In Stuttgart wurden die Wagen zwar umfassend modernisiert um die Nutzungsdauer zu verlängern, jedoch blieb kein Stuttgarter Original erhalten und alle Fahrzeuge wurden bis 1969 verschrottet.
Dennoch handelt es sich bei dem Wagentyp um einen interessanten Zeitzeugen der ersten Nachkriegsjahre. So reifte Anfang der 1990er-Jahre die Idee, auch in Stuttgart einen solchen Wagen zu erhalten. Da aber alle originalen Stuttgarter Triebwagen bereits verschrottet waren sah man sich in anderen Städten um mit dem Ziel einen solchen Wagen zu übernehmen. Nach der Begutachtung mehrerer Fahrzeuge setzte sich schließlich der Heidelberger Wagen mit der Nummer 64 durch. Dieser wurde dort zuletzt als Arbeitswagen genutzt und nach seiner Abstellung zum Verkauf angeboten.
Am 26.04.1996 ging es dann, huckepack auf einem Straßenschwertransporter, auf den Weg von Heidelberg nach Stuttgart. Seitdem befindet sich der Wagen, immer wieder mit Unterbrechungen durch andere dringlichere Projekte, in der Aufarbeitung. In den letzten Jahren nahm das Projekt wieder deutlich an Fahrt auf und die Aufarbeitung ging mit großen Schritten voran. Wir sind zuversichtlich, dass der Wagen in den nächsten Jahren erstmalig auf Stuttgarts Gleisen eigenständig fahren kann. Da die Stuttgarter Fahrzeuge die Nummern 726 bis 748 trugen lag es nahe dem „Heidelberger“ die unbesetzte Nummer 749 zu geben. Aktuelle Infos zum Projektstand finden Sie hier auf unserem Blog.

Gleich geschafft – Triebwagen 64 wird aufgeladen im Betriebshof in Heidelberg. (Foto: Jürgen Daur)

Nach rund 120 Kilometern ist es geschafft und der KSW 64 steht bald auf dem Boden seiner neuen Heimat! (Foto: Jürgen Daur)